Sonntag, 3. Mai 2009

ZUM MARIEN-MONAT MAI


Marienverehrung ist keine Erfindung der Kirche

"Siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter" (Lk 1, 48). Dieser Satz ist die biblische Grundlegung der Marienverehrung. Maria kündet es selbst an, daß alle künftigen Generationen der Glaubenden sie seligpreisen werden für das Große, das Gott an ihr getan hat.

"Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?"(Lk 1,42,43). Elisabeths Lobpreis ging ein in das bekannteste Mariengebet, ins "Ave Maria", wo wir beten: "Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus". Mit den Worten "die Mutter meines Herrn" wird klar die Rolle Marias im Heilswerk benannt: Sie ist die Mutter des Herrn, die Mutter Gottes.

Der Gottesmuttertitel ist das marianische Grunddogma. Zu diesem Glaubensgeheimnis bekennen sich übrigens alle Konfessionen der christlichen Ökumene, alle, die sich auf das Große Glaubensbekenntnis der Kirche (das sog. Nizäno-Konstaninopolitanische Glaubensbekenntnis) gründen. Wie alle Glaubenswahrheiten übersteigt auch dieses Geheimnis unser menschliches Begreifen: Daß der große Gott, der Herr des Himmels und der Erde, Kind wurde im Leib Mariens, ist ein rational unauslotbares, nur im Glauben annehmbares Geschehen. Staunend, anbetend haben wir zur Kenntnis zu nehmen, daß Gott eine dramatische >Karriere nach unten< antrat, um die verlorene Menschheit von innen, von der Wurzel her zu heilen. Zu dieser Selbstentäußerung Gottes gehört auch die Tatsache, daß er sein Erlösungswerk vom Ja eines Menschen, genauergesagt: einer Frau abhängig machte. – Maria sollte die Frau sein, die Gott zur Welt brachte, die der Welt den Erlöser schenkte. Wirklich: etwas Großes, zu dem Maria ausersehen war und Grund genug, sie seligzupreisen.

Und wie Maria es prophezeite, haben das auch alle Geschlechter der Christenheit auf ihre Weise getan. So ist die Geschichte der christlichen Kunst, besonders der Malerei gar nicht zu denken ohne die marianisch inspirierten Werke. "Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria, lieblich ausgedrückt; doch keins von allen kann dich schildern, wie meine Seele dich erblickt", bekennt Novalis, und bei Theodor Fontane lesen wir: "Wo die Madonna weilt, da weilt die Schönheit und die Freude".

Es mag erstaunen, daß selbst Martin Luther in seinen Anfangsjahren der Gottesmutter durchaus zugetan war. So nennt er Maria in seiner Auslegung des "Magnificat" "das allervornehmste Beispiel der Gnade Gottes" und fordert: "Anrufen soll man Maria, daß Gott durch ihren Willen gebe und tue, was wir bitten". Nicht nur von der Verehrung Marias ist hier die Rede, sondern auch vom Gebet zu ihr. Ganz im Einklang mit der theologischen Tradition geht Luther davon aus, daß Maria nicht nur eine verehrungswürdige Gestalt der Vergangenheit ist, sondern daß sie als Gottesmutter in Ewigkeit eine einzigartige Rolle bei Gott spielt. Maria, die auf Erden so innig und leibhaftig verbunden mit Christus war wie kein anderer Mensch, bleibt ihm auch im Himmel in unvergleichlicher Weise verbunden. 

Der Welt den Erlöser bringen - das war nicht nur eine vorübergehende Funktion Marias. Nein, der Welt, den Menschen den Erlöser Jesus Christus nahebringen: das ist der bleibende Personalcharakter Marias, ihre ewige Bestimmung.

"Geholfen" wie oft kann man diesen Satz auf Votivtafeln an marianischen Gnadenorten lesen, an den großen wie Altötting, Tschenstochau, Lourdes, Guadalupe, aber auch unzähligen kleinen. Die Menschen vertrauen sich der mütterlichen Fürsorge Mariens an, wie sie exemplarisch im Evangelium von der Hochzeit zu Kana (Joh 2, 1-12) dargestellt ist. Eine andere Stelle aus dem Johannes evangelium ist in diesem Zusammenhang ebenfalls von Bedeutung, das Vermächtniswort des Herrn am Kreuz: "Frau, siehe, dein Sohn! Siehe, deine Mutter! (Joh 19,26 f.) Gemäß der schon bei den Kirchenvätern vertretenen Auslegung gibt Jesus hier in der Person des Lieblingsjüngers der ganzen Jüngergemeinde Maria zur Mutter. Von hier aus erklärt sich der Titel "Mutter der Kirche" , den das 2. Vatikanische Konzil Maria verlieh.

Wir sehen: Marienverehrung ist keine Erfindung der Kirche. Sie beruht auf dem eindeutigen Zeugnis der Hl.Schrift und der auf ihr fußenden kirchlichen Überlieferung.

Marienverehrung hat auch nichts zu tun mit einer unangemessenen Vergöttlichung Marias, wie manchmal geargwöhnt wird. Immer schon hat die Kirche klar unterschieden zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf: Anbetung gebührt allein Gott, dem Dreifaltigen. Den Heiligen und besonders Maria gebührt Verehrung,d.h. Lobpreis und Bitte um Fürsprache bei Gott.

Wir brauchen auch nicht zu befürchten, daß wir Gott etwas wegnehmen würden, wenn wir zu Maria eine Gebetsbeziehung haben. Im Gegenteil: Gott ist es ja, der Großes an Maria getan hat und sie in einzigartiger Weise in das Erlösungsgeschehen einbezogen hat. So preisen wir nichts anderes als den Ratschluß und die Gnade Gottes, wenn wir Maria verehren. Im übrigen freut sich, wie einmal der hl. Bernhard von Clairvaux sehr einleuchtend sagt, jeder Sohn mehr, wenn seine Mutter geachtet und geehrt wird, als wenn sie von den Menschen übergangen und übersehen wird. So dürfen wir es auch von Marias göttlichem Sohn, Jesus Christus annehmen. Marienverehrung und Christusverehrung stehen also nicht gegeneinander, sondern wachsen miteinander. Dies zeigt sich übrigens deutlich an den marianischen Wallfahrtsorten: Die Intensität, mit der die Gläubigen dort an der Feier der Hl.Messe teilnehmen, die Sakramente empfangen, auf Gottes Wo rt hören hebt diese Orte von der sonst so verbreiteten Lauheit und Glaubensmüdigkeit ab.

Der Welt, den Menschen Christus nahebringen: das war und ist die Bestimmung der Gottesmutter. Gewiß, es gibt verschiedene Wege zu Christus man muß nicht über Maria gehen (wobei Maria objektiv immer mit dem Erlösungsgeschehen verbunden ist).

Man muß nicht über Maria gehen, aber man darf !

Eine gesunde marianische Spiritualität verleiht dem Glauben Wärme und Glanz und verhindert, daß wir als allzu gedrückte und verbiesterte Christen unsern Weg gehen. Maria verkörpert auch das weibliche Prinzip in unserer Religion. Ist es nicht bemerkenswert, daß wir "Unsere Liebe Frau" als Vorbild aller Christen, als Erst- und Ganzerlöste verehren? Eine Frau steht an der Spitze der Kirche, kein Mann! Wäre es da nicht widersinnig, wenn gerade wir sogenannten "modernen", für die Rechte der Frau sensibilisierten Christen Maria vom Sockel stoßen wollten?

Nein: Schließen wir uns lieber an die Quellen unseres Glaubens an und stimmen wir ein in das Marienlob aller Generationen:

"Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!"   Amen.

Pfr.Dr. Joh. Holdt

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°


SONNTAGS-EVANGELIUM NACH JOHANNES 03.05.09

Evangelium nach Johannes 10,11-18.

Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, läßt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muß ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen. 


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel 


Kommentar des heutigen Evangeliums 

Hl. Antonius von Padua (um 1195-1231), Franziskaner, Kirchenlehrer 
Predigten für die Sonntage und die Heiligenfeste 

« Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe »


     
 „Ich bin der gute Hirt.“ Christus kann mit gutem Recht sagen: „Ich bin.“ Für ihn ist nichts vergangen oder zukünftig; alles ist für ihn gegenwärtig. Deshalb spricht er von sich selbst in der Apokalypse: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende; der ist, der war und der kommen wird (Off 1,8). Und im Buch Exodus: „Ich bin der Ich-bin-da. Sage den Söhnen Israels: Der Ich-bin-da hat mich zu euch gesandt“ (Ex 3,14).

      „Ich bin der gute Hirt.“ Das Wort „Hirte“ kommt von dem Wort „hüten“. Jesus speist und mit seinem Fleisch und Blut jeden Tag im Sakrament des Altares. Isai, der Vater Davids, sagte zu Samuel: „Mein jüngster Sohn ist noch ein Kind und hütet die Schafe“ (vgl. 1 Sam 16,11). Unser David, klein und demütig, weidet auch seine Schafe, wie ein guter Hirte... 

      Man liest außerdem bei Jesaja: „Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide; die Lämmer sammelt er mit seinen Armen, er trägt sie an seinem Herzen; die Mutterschafe führt er behutsam“ (vgl. Jes 40,11)... Wirklich, wenn der gute Hirte seine Herde auf die Weide führt, dann sammelt er die ganz kleinen Lämmer, die nicht mehr weiter laufen können; er nimmt sie auf seine Arme und trägt sie an seinem Herzen. Er trägt auch die Mutterschafe, jene die trächtig sind oder jene, die gebären. Genau so handelt Jesus Christus: Jeden Tag nährt er uns mit dem Unterricht des Evangeliums und den Sakramenten der Kirche. Er sammelt uns mit seinen Armen, die er am Kreuz ausgebreitet hat, „um die zerstreuten Kinder Gottes in einem einzigen Leib zu vereinen (Jn 11,52). Er nimmt uns auf in den Schoß seiner Barmherzigkeit, wie eine Mutter ihr Kind. 


°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°


Freitag, 1. Mai 2009

Von der Last und dem Glück des Betens



Das Thema GEBET ist ein ausserordentlich wichtiges Thema für unser religiöses Leben, dessen grosses Ziel es ja ist, Gott zu finden.
 Über die Bedeutung des Gebetes sagt der hl. Augustinus:

" Wer richtig zu beten weiss, weiss auch richtig zu leben."


Als Einstieg in dieses so bedeutsame Thema möge folgendes Beispiel dienen: Der weltberühmte französische Nobelpreisträger für Medizin, ALEXIS CARELL, war zu Beginn unseres Jahrhunderts Prorektor an der Medizinischen Fakultät in Lyon.
Auf einer wissenschaftlichen Tagung wurde ihm vom leitenden Professor zu einem bestimmten hoffnungslosen Fall eine Frage vorgelegt. Es ging um eine Patientin im Stadium eines fortgeschrittenen, unheilbaren tuberkulösen Abzesses. Carell erklärte, dass er alles in seiner Macht Stehende getan habe. Als er jedoch di
e Aussichtslosigkeit des Falles erkannt habe, habe er die Kranke nach Lourdes geschickt. Dort sei sie geheilt worden. Von Seiten der Wissenschaft bedeutete dies für ihn das Todesurteil. Daraufhin begann Carell sich in Lourdes wissenschaftlich zu betätigen. Als ärztlicher Betreuer eines Pilgerzuges wurde er im Jahre 1903 Augenzeuge einer Heilung. Schliesslich wurde Carell Forscher am Rockefeller-Institut in New York. Im Jahre 1912 erhielt er für seine Organtransplantationen und Gewebekulturen den Nobelpreis für Medizin.

Diese Erkenntnisse bildeten den Grundstein für sein berühmtes Buch " Der Mensch, das unbekannte Wesen".
Darin schildert er seine Beobachtungen an Kranken. Er konnte miterleben, wie manche von ihnen einzig durch die Macht des Gebetes geheilt wurden. Er schrieb: "Ich glaube an wunderbare Heilungen. Nie werde ich das erschütternde Erlebnis vergessen, als ich sah, wie ein krebsartiges Geschwür an der Hand eines Arbeiters vor meinen Augen zu einer kleinen Narbe zusammenschrumpfte. Verstehen kann ich das nicht, aber bezweifeln kann ich es auch nicht, was ich mit eigenen Augen gesehen habe." Im gleichen Werk heisst es: "Das Gebet ist die mächtigste Form der Energie, die wir ausstrahlen."
Und in seinem Buch "Betrachtungen zur Lebensf
ührung" schreibt Carell: " Das Bedürfnis nach Gott äussert sich im Gebet. Das Gebet ist ein Notschrei, ein Verlangen nach Hilfe, eine Hymne der Liebe. Es besteht nicht in einem traurigen Hersagen von Worten ... Alles geht vor sich, als ob Gott uns erhörte und uns unmittelbar eine Antwort gäbe. Unerwartete Ereignisse treffen ein; das geistige Gleichgewicht wird hergestellt. Das Gefühl unserer Vereinsamung, unserer Ohnmacht und der Nutzlosigkeit unserer Anstrengungen verschwindet. Die Welt verliert ihre Ungerechtigkeit und ihre Grausamkeit und wird freundlich gesinnt. Eine seltsame Macht entwickelt sich im Innern von uns selbst. Das Gebet verleiht die Kraft, Sorgen und Kümmernisse zu ertragen, zu hoffen wenn es keine logische Ursache zur Hoffnung mehr gibt, um inmitten von Katastrophen aufrecht zu bleiben."
Dieser grosse Arzt, der so überwältigende Erfahrungen mit dem Gebet gemacht hatte, starb, im Jahre 1944 als Opfer von Hitlers Gestapo.



"""""""""""""""""""""""""""""""""""""


Fortsetzung unter   Reply  / Comments