GEHEIMNISSE DES VATERUNSERS
Ein Nachhall
Das Vaterunser ist das berühmteste Gebet der Welt, und es gibt wohl kein Text, der den Menschen seit zweitausend Jahren häufiger über die Lippen kommt wie dieser - unterdessen in allen Winkeln der Erde. Das Vaterunser werde dabei nie alt, behaupten grosse Beter wie der hl. Augustinus. Nie entstehe ein Überdruss. Es sei etwas in diesem Gebet, das es vor Abnutzung schütze. Forscher verglichen es mit einem Musikstück, einer Komposition, die in der Anordnung der einzelnen Töne sich pausenlos neu erschaffe. In diesem Gebet, schrieb jemand, geben wir wenig und bekommen alles-
Wir geben ein leeres Herz, und Gott gibt es uns erfüllt zurück. " Es will unser Sein formen, uns in die Gesinnung Jesu einführen", fügt Papst Benedikt XVI. hinzu. Das Vaterunser führe in "eine grosse Tiefe jenseits der Worte" und umfasse nicht weniger als "die ganze Weite des Menschseins aller Zeiten".
Die religiöse Tradition Israels kennt bereits zu Jesu Zeiten eine unübersehbare Anzahl von Gebeten. Allein der Psalter versammelt viele unterschiedliche Formen des Gebets - Dank- und Klagelieder, Loblieder, Wallfahrtslieder, Festliturgien und anderes mehr. Gebete erinnern die Gläubigen an ihre religiösen Pflichten, unter anderem werden sie in der MESUA aufbewahrt, die am rechten Türpfosten angebracht ist. Die Männer tragen Gebetsschnüre unter dem Kaftan. In der kleinen Gebetsbox, die man mit einem Band an der Stirn befestigt, befinden sich Gebete. In vielen seiner Redewendungen und Bildern hat Jesus Fäden aus dem alten Glauben aufgenommen, um sie weiterzuspinnen. Sein Gebet allerdings, das einzige, dass er gelehrt hat, ist ein absolutes Novum, in dessen Zentrum, wie könnte es anders sein, der VATER stand, GOTT selbst.
Erstmals in der Religionsgeschichte wird Gott in einer intimen Weise angesprochen, wie es nur ein Sohn oder eine Tochter tun können: " ABBA". Der neue Geist in diesem Gebet ist ein Geist der Vertrautheit. Er kennt keine Ängstlichkeit in der Ansprache, keine übertriebenen Ausdrücke im Bitten. Da ist kein Gott, vor dem man sich verstecken müsste. Mit dem Vaterunser, meinte deshalb der heilige Cyprian, bete man mit von Gott sebst gegebenen Worten zu Gott.
Bereits Anordnung und der ausgefeilte symmetrische Aufbau des Gebets machen deutlich, dass das Vaterunser nicht irgend eine Art Nebenprodukt der Lehrtätigkeit Jesu ist, sondern sein zentrales Geheimnis offenbart: Die Mitte- die zentrale Botschaft - das Evangelium ist die BERGPREDIGT mit ihren sieben Geboten. Im Zentrum der Bergpredigt wiederum steht das Vaterunser mit seinen sieben Bitten. Das Vaterunser aber offenbart nun in der Mitte, im Kern des ganzen Evangeliums Mt 6,9f - vorab das entscheidende Angebot des Messias: Das Brot Christi, das Heiligste vom Heiligen, das Wunder der Eucharistie.
Ist es Zufall, wenn das VATERUNSER ausgerechnet SIEBEN Bitten enthält? Nach alter Überlieferung gibt es zwischen Himmel und Erde sieben Sphären, die Gott und Welt miteinander verbinden. Die SIEBEN als heilige Zahl des Vollständigen und Ganzen steht buchstäblich wie die Tonleiter, deren sieben Töne, von ganz unten in höchste Höhen führen, in den Bereich der Sphärenmusik, den siebten Himmel der Liebe.
Bereits in den ersten Worten des Gebets ist eine mächtige Formel verborgen: 1. mit der Anrede (VATER UNSER IM HIMMEL) - 2. mit dem Lobpreis (GEHEILIGT WERDE DEIN NAME) - 3. mit der Öffnung und Hingabe (DEIN WILLE GESCHEHE) - 4. Mit der Herabrufung des Geistes und der Kraft (WIE IM HIMMEL SO AUF ERDEN) -
Die Tiefen der drei DU- und vier WIR-Bitten im Vaterunser, von dem Papst Benedikt XVI. schreibt, es würde jenseits der Worte " die ganze Weite des Menschseins aller Zeiten" umfassen, können hier nur angedeutet werden in:
Fortsetzung folgt:
DIE ANREDE - DIE ERSTE BITTE - DIE ZWEITE BITTE - DIE DRITTE BITTE - DIE VIERTE BITTE - DIE FÜNFTE BITTE - DIE SECHSTE BITTE - DIE SIEBTE BITTE